kleine OÖ Knödelkunde (deutsch)
KLEINE OBERÖSTERREICHISCHE KNÖDELKUNDE
Knödel sind Oberösterreichs Ravioli. Es gibt sie in
den unterschiedlichsten Variationen, und sie eignen sich, je nach
Portionierung und Dimension, als Beilagen, als Zwischengerichte und
auch als Hauptgericht. Die „Beilagenknödel“ wurden
bereits im Beilagenkapitel (s. S. 86) ausführlich behandelt.
Gleichgültige, wie man die Knödel im Küchenalltag
einsetzt, gelten jedoch folgende Grundregeln:
- Knödel gelingen leichter, wenn der
„Knödelrohling“, also die zum Knödel geformte
Füllmasse, kurz tiefgekühlt wird. Dann lässt sich
der Teig leichter darum hüllen und die Masse quillt beim
Knödelformen bzw. Knödeldrehen nicht heraus.
- Als Standardgewicht für Knödel sollte man etwa 30 bis
40 g für die Fülle und ebenfalls 30 bis 40 g für die
Knödelhülle vorsehen. Wenn Hülle und Fülle sich
die Waage halten, munden die Knödel am besten.
- Je kleiner die Knödel sind, desto appetitlicher sehen sie
aus und desto schneller garen sie.
- Als Standardportion sollte man pro Person ca. 4 bis 5 kleine
Knödelchen vorsehen. „Knödeltiger“ bekommen
mehr, schwache Esser entsprechend weniger.
eine kleine Knödelkunde, von Prof. Christoph
Wagner:
Wenn der Knödel, wie der große, aus
Oberösterreich stammende Kulinarhistoriker Franz Maier-Bruck
einmal schrieb, „das gemeinsame Element aller
österreichischen Speisenfolgen“ ist, so gilt dies
sicherlich auch in ganz besonderem Maße für die
oberösterreichische Küche. Die klassischen Zutaten
bestehen aus Schneidsemmelwürfeln, Butter, Eiern, Milch, Mehl,
Zwiebeln und gehackter Petersilie, die jede Hausfrau in
unterschiedlicher Menge verwendet.Auch was die Zubereitung
betrifft, unterscheidet man zwei „ Semmelknödel-
Schulen“: jene, bei der die Semmelwürfel zuerst in Milch
und Eiern geweicht und erst dann unter Beimengung von Mehl geformt
werden; und die andere, in welcher die Semmelwürfel
zunächst in Butter und Zwiebeln geröstet und erst dann
mit Mehl, Eiern und Milch geformt werden. Wie immer man sich
entscheidet: Man serviert den Semmelknödel zu Schweinsbraten
und Geselchtem ebenso wie zu Beuschel, Wild, Schwammerlsauce
und allen Ragoutgerichten.
Die oberösterreichische Welt- Kugel
„Wenn man keinen Knödel isst“, so lautet ein
altes oberösterreichisches Sprichwort,„so hat man den
ganzen Tag Hunger.“
Und in der Tat braucht man nach einem griffigen und
bissfesten Symbol für die Küche des Landes ob der Enns
nicht lange zu suchen: Der Knödel eignet sich perfekt als
kulinarische Trademark.
Die Grundausstattung für jene Institution, die man
später „Knödeltag“ nennen sollte, war also
bereits vor knapp vier Jahrtausenden vorhanden. Alte
oberösterreichische Kochbücher erweisen sich denn auch
immer wieder als wahre Fundgruben für viele vergessene
Knödelrezepte wie etwa Brandknödel, braune
Grießknödel, eingesetzte Knödel, sunndörrte
Knod’n, gebackene Reisknödel, Selchknödel oder
Einmachknödel, von den heute noch populären Speck-,
Grammel-, Fleisch-,
„z’sammg’legten“, böhmischen oder
Durcheinanderknödeln“ gar nicht zu reden. Dass
Knödel keine Diätmahlzeit sind, hat sich zwar
mittlerweile selbst bis in die tiefsten Täler des
Salzkammerguts und die hintersten Hügel des Mühlviertels
herumgesprochen — der Popularität der Knödel im
Lande ob der Enns hat dies jedoch keinerlei Abbruch getan.
Einige Gedanken zu Heimat
Im Frühling die blühenden Blumen, im Sommer die
goldenen Felder, im Herbst das saftige Mostobst und im Winter die
verschneiten Berge — das ist Oberösterreich. Klare
Flüsse und Seen laden zum Baden oder zum Angeln ein, satte
Wiesen machen Lust auf ein Picknick zu Zweit, Laub- und
Nadelwälder ermöglichen schattige Spaziergänge und
die zerklüfteten Berge bieten — sofern man sie einmal
bestiegen hat — einen traumhaften Ausblick auf die herrliche
Landschaft des Salzkammergutes.
In dieser Gegend bin ich aufgewachsen: Auf dem Bauernhof meiner
Großeltern, nur eine Kurve von unserem Gasthof entfernt. Die
Kindheit war fröhlich, doch die Arbeit war hart im steilen
Bergland, wo Verschwendung ein Fremdwort war. Dort habe ich von
meiner Oma den sorgfältigen Umgang mit unseren Lebensmitteln
gelernt. Ich erinnere mich gerne zurück an meinen
Großvater in seiner uralten Lederhose, die ihm schon von
seinem Vater vererbt worden war.
Besonders geschäftig war das Treiben auf dem Bauernhof,
wenn Schlachttag war. Kühlungen gab es damals noch nicht, also
wurde das geschlachtete Schwein sofort zerteilt und weiter
verarbeitet. Meine Oma hat damals Würste gekocht, sie hat
Blunzen gestopft, sie hat das Fleisch eingesurt und auch
Sülzen und Bratl’n gemacht.
Aber auf dem Hof meiner Großeltern, da gab es auch Birnen,
Äpfel, Kirschen und Zwetschken die vor der Haustür
verkauft wurden. Die anderen Früchte hat mein Großvater
eingemaischt und in den langen Wintermonaten zu Schnaps gebrannt
oder den frisch gepressten Saft zu Most vergoren.
Während meiner Jugend ist durch die neuen Technologien die
Arbeit der Bauern immer mehr in den Hintergrund gedrängt
worden, Lebensmittel wurden vielfach zur Massenware, was der
Qualität nicht förderlich war. Aber als Gastwirtin und
Köchin aus Leidenschaft wollte ich meinen Gästen von
Anfang an die gleichen guten Sachen bieten, die ich auch beim
Kochen für meine Familie verwendet habe: Produkte aus meiner
Umgebung, Fleisch von Landwirten, die die Tiere artgerecht halten,
Gansln, die einen schönen Sommer auf der Weide verbracht
haben, Lammfleisch von Lämmern, die mit ihren Müttern die
Frühjahrssonne genießen konnten. Was damals für mich
wichtig war ist es auch heute noch, darum besuche ich meine
Lieferanten auch von Zeit zu Zeit einmal, weil sie über die
Jahre hinweg zu Freunden geworden sind. Ich schätze ihre
Arbeit und ihre Produkte. Ich packe meine Enkerl ins Auto und zeige
ihnen wie groß die Schafe sind, wie die Gänse schreien
und warum in den Nestern der Hühner nicht nur braune, sondern
auch weiße und manchmal sogar hellgrüne Eier liegen.
Schon bald in der Früh sind wir manchmal auf einem Hof, wo der
Hahn fleißig kräht und wo wir dann frische Milch oder
einen naturtrüben Apfelsaft zum Frühstück
genießen.
Und wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann können Sie
sich selbstverständlich auch auf so eine Exkursion begeben,
wenn Sie bei uns Urlaub machen. Unsere Landwirte, die ja auch
Landschaftspfleger sind und die ihre Arbeit lieben, zeigen Ihnen
gerne, woher der Treibstoff für unseren Körper kommt.
Jener Treibstoff, der von hoher Qualität sein muss, damit wir
bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben. Und daher kommt bei mir
nicht irgendetwas in den Kochtopf, sondern nur das Beste und das
Frischeste, was meine Lieferanten aus dem Salzkammergut zu bieten
haben. Für Ihre Gesundheit, für Ihren Genuss und für
Ihren Aufenthalt in unserm schönen Landl.
Gibt es eine typische oberösterreichische Küche?
Ingrid Pernkopf, Wirtin aus Gmunden (Gasthaus Grünberg am See)
und der Kochbuch- Bestsellerautor Christoph Wagner (ein
gebürtiger Linzer) waren auf kulinarischer Spurensuche im Land
ob der Enns unterwegs. Sie sammelten traditionelle Rezepte,
besuchten befreundete Köche, Bauern und Produzenten, kosteten
sich durch. Das schmackhafte Ergebnis ist ein umfassendes Kochbuch,
in dem die lange Tradition der oberösterreichischen
Fischküche genauso aufgetischt wird wie die unverwechselbare
Knödelküche oder Süßes für
Schleckermäuler. Es versammelt 520 klassische und
zeitgemäße adaptierte Rezepte mit zahlreichen
Variationsmöglichkeiten, gespickt mit kulturhistorischen
Anekdoten und Wissenswertem über genussreiche „
Bodenschätze“. Das Ergebnis überzeugt: Hier ist es,
das große oberösterreichische Grundkochbuch!